Nichts geht mehr – der Film

 

Nichts geht mehr – der Film Trailer

Auch wenn es um Polizei und mögliche Terroristen in „Nichts geht mehr“ geht, ist der 2006 in Deutschland produzierte Film eine unbeschwerte Komödie, die sich mit einem doch durchaus typischen Verhalten von jungen Heranwachsenden beschäftigt. Das Filmdebüt von Florian Mischa Böder hat dabei wohl einige Kritiken erlangt, die wenigstens so sehr am Film vorbeigehen wie deren Intensionen und die die Absichten des Regisseurs nicht erkannt haben.

 

 

Nichts geht mehr – der Film

Nichtsgehtmehr-Film

Lagerfeuer vorm Rathaus oder nächtliche Schwimmstunde

Konstantin (Jörg Pohl) ist der jüngere Bruder von August (Jean-Luc Bubert). Und Konstantin zieht aus dem elterlichen Zuhause aus, um dann bei seinem wesentlich aktiveren und unbeschwerten Bruder unterzukommen. Doch Konstantin lässt sich immer wieder zu Spaßaktionen hinreißen. Dazu gehören dann unter anderem ein Lagerfeuer vor dem Rathaus oder ein nächtlicher Einbruch ins Schwimmbad. Hier wird dann auch noch einmal der Unterschied zwischen den beiden Brüdern deutlich. Konstantin steht auf dem 10-Meter-Turm und wagt es nicht zu springen, während ihn sein Bruder aus dem Wasser heraus immer wieder auffordert. Doch alles in allem ganz normaler Unfug, der zwei Heranwachsenden einfach so einfällt und schon mal schnell vom Rest der gutbürgerlichen Welt völlig fehlinterpretiert wird.

Weiße Ampeln – das muss Terrorismus sein!

So auch eine der nächsten Aktionen der beiden Jungs. Sie beschließen kurzerhand, mit Farbe, Pinsel und einer Verlängerung eine Ampelanlage weiß anzupinseln. Darunter setzen sie ihre Spaß-Nachricht „Nichts geht mehr!“ und unterschreiben das auch noch mit ihren Kürzeln „AKP“. Natürlich handelt es sich bei der Kreuzung um eine viel befahrene Straße und so löst der Scherz ein wahres Verkehrschaos aus. Das wiederum treibt die Polizei auf den Plan, die hinter der Botschaft das Werk von Terroristen zu erkennen glaubt. Schon läuft deren Maschinerie an. Natürlich sorgt die Aktion auch für Gesprächsstoff und der sowieso schon auf solche Sachen abfahrende August kann es dementsprechend nicht bleiben lassen, mit der Tat zu prahlen. Prompt findet die Polizei die beiden mutmaßlichen Täter bald, doch die ziehen es vor, sich lieber auf dem Staub zu machen.

Die Gesellschaft, die alles so ernst nimmt

Als sie nun untertauchen, lernen sie unterschiedliche Gruppierungen kennen, die in der Aktion tatsächlich eine tolle Nummer sehen, die sich auch politisch zurechtbiegen lässt. So zum Pseudo-Terroristen der vermeintlich linken Szene mutiert, findet August immer mehr gefallen an solchen Scherztaten – insbesondere, da er auch eine attraktive Studentin beeindrucken möchte. Doch der introvertierte Konstantin merkt langsam, dass das Ganze langsam doch ernster wird, als es das eigentlich sein sollte. So kommt es zwischen den beiden Brüdern zu Spannungen. Zu keinem Zeitpunkt ging es darum, hier die deutsche Terroristenszene zu beleuchten. So nahmen einige Kritiker den Film fälschlicherweise zum Anlass, darauf hinzudeuten, dass der deutsche Film mit diesem Thema nicht umgehen könne. Doch eigentlich ist das Spielfilmdebüt von Böner genau anders herum zu sehen: unsere moderne Welt ist mittlerweile so sehr von dem Wort „Terrorismus“ eingenommen, dass selbst ein ganz normaler Streich plötzlich ins Umfeld von Terrorismus gerät. Es stellt sich also vielmehr die Frage, ob die gesamte Gesellschaft scheinbar vergessen hat, dass sie auch mal jung war.